fbpx
+43 / 316 / 77 43 40, +43 / 7676 / 20058 office@iwap.at

Sucht man eine Definition von Wohnqualität, so wird man kaum fündig werden. Wie der Name “Wohnqualität” sagt, geht es um die Qualität des Wohnens und damit natürlich um die erfolgreiche Umsetzung von Wohnbedürfnissen. Wohnbedürfnisse sind also der Leitfaden und die Grundlage von Wohnqualität. Schlechte Wohnqualität entsteht immer dann, wenn Wohnbedürfnisse in der Planung von Wohnungen und Wohngebäuden zu wenig berücksichtigt werden. Um richtige Wohnentscheidungen zu treffen ist es also wichtig, Wohnbedürfnisse zu kennen. Wohnentscheidungen stehen an, wenn wir ein Haus bauen wollen, aber auch wenn wir eine Wohnung kaufen oder mieten wollen.

Die Hauptfehler bei Wohnentscheidungen

Sie werden nun sagen, man wisse ja was mach will, was man braucht, welche Bedürfnisse man hat. Das stimmt auch, zumindest bis zu gewissen Grenzen. Und doch werden aus folgenden Gründen viele Fehlentscheidungen getroffen die zu schlechter Wohnqualität führen:

Fehlerquelle Komplexität

Die Qualität von Wohnungen umfasst so viele Themen und Bereiche, dass es kaum möglich ist diese Komplexität zu erfassen. Komplexe Entscheidungen zu treffen, ohne die Komplexität auch zu erfassen, führen unweigerlich zu Fehlentscheidungen, die etwa so aussehen können:

  • Sie denken vielleicht in erster Linie an die Bedürfnisse, die Ihnen aktuell sehr wichtig sind, und übersehen andere Bedürfnisse, die vielleicht in späteren Lebensphasen an Bedeutung gewinnen.
  • nachdem das Wohnen so viele Aspekte umfasst, versuchen Sie diese Komplexität zu reduzieren uns sagen: „das sind meine wichtigsten Kriterien“. Natürlich werden dabei andere Kriterien (die möglicherweise ebenso wichtig sind) verloren gehen.

Nachdem auch die Experten (Planer/innen) die Komplexität des Wohnens nicht systematisch erfassen, gibt es keine Leitlinien für Wohnqualität.

Fehlerquelle Kommunikation

Wohnbedürfnisse müssen kommuniziert werden, wenn man von Experten stimmige Lösungen verlangt oder auch, wenn man mit dem/der Lebenspartner/in gemeinsam eine Wohnung kauft oder einrichtet. Dies ist eine schwierige Aufgabe und führt zu vielen Fehlern:

  • Sie suchen vielleicht gemeinsam mit Ihrem/er Partner/in eine neue Wohnung und sind sich auch einig darüber was Ihnen gefällt. Möglicherweise sprechen sie jedoch nicht über weniger offensichtliche Wohnbedürfnisse wie Geborgenheit, Rückzug usw.
  • Sie lassen sich ein Haus planen und haben das Gefühl, Ihr Planer versteht genau was Sie wollen. In Wirklichkeit haben Sie „nur“ denselben Geschmack, haben sich aber ganz wenig oder gar nicht über Ihre Wohnbedürfnisse ausgetauscht.

Fehlerquelle Manipulation

Manipulation entsteht dort, wo zwei verschiedene Bedürfnisse aufeinander treffen. In jeder Verkaufssituation ist dies der Fall, weil der Käufer hohe Qualität will und der Verkäufer einen hohen Preis.

  • Ihnen gefällt vielleicht das sehr gut, was aktuell modern ist. Nachdem Modetrends immer einseitig sind, ist dies der beste Garant dafür, wichtige Wohnbedürfnisse zu übersehen.
  • Möglicherweise wird Ihnen der Markler die Wohnung so toll präsentieren, dass Sie gar nicht mehr anders können als zuzuschlagen. Dafür gibt es sogar Spezialisten, die das sogenannte „Home Staging“ betreiben. Dabei werden Wohnungen gezielt so gestaltet, dass eine höhere Wertigkeit vermittelt wird, die möglicherweise gar nicht besteht.

Nichts ist so schwer wie die eigenen Bedürfnisse zu erkennen, zu formulieren und zu kommunizieren. Vielen Menschen geht es auch mit den Wohnbedürfnissen so. Sie sehen also es gibt viele Möglichkeiten, wo Sie sich selbst täuschen können oder aber auch bewusst oder unbewusst von anderen getäuscht werden. Doch davor können Sie sich schützen.

Fehlentscheidungen vorbeugen

Um sich vor Fehlentscheidungen zu schützen, braucht es immer Wissen und meist eine gewisse Struktur, wie man dieses Wissen anwendet. Wahrscheinliche ist uns allen klar, dass gröbere Fehlentscheidungen bei Wohnfragen sehr schwerwiegend sind und uns teuer zu stehen kommen. Doch wie kann man vorbeugen? Dazu brauchen wir Antworten auf zwei Fragen:

  • Was sind Wohnbedürfnisse, und welche Wohnbedürfnisse sind in meiner Situation besonders relevant?
  • Wie erkennt man bei einer Wohnung, oder auch auf einem Plan, ob die jeweiligen Wohnbedürfnisse umgesetzt wurden?

Heute werden wir uns mit der ersten Frage beschäftigen, also: „Was sind Wohnbedürfnisse und wie halte ich fest, was für mich besonders relevant ist?“ Wohnbedürfnisse sind alle Bedürfnisse unseres Lebens, die im Wohnen zur Entfaltung kommen sollten. Dies bedeutet natürlich auch, dass Wohnbedürfnisse beinahe alle, für uns wesentlichen Bedürfnisse und Lebensbereiche, umfassen.

ein kurzer Überblick

Die hier beschriebenen Wohnbedürfnisse sind die Grundlage für Wohnqualität. Dies ist zwar nur eine kurze Zusammenfassung, bietet jedoch bereits einen guten Überblick.

die persönlichen Wohnbedürfnisse

Das Wohnen hat den Zweck uns persönlich ein unversehrtes Leben zu ermöglichen. Dies umfasst alle basalen Bedürfnisse wie Schutz vor Witterung oder die Möglichkeit, den alltäglichen Bedürfnissen von Nahrungsaufnahme und Hygiene nachzukommen. Diese Themen sind meist nicht in Frage gestellt, sehr wohl jedoch andere Bedürfnisse wie etwa:

  • die Möglichkeit im Alltag Erholung und Regeneration zu finden
  • sich mit gesundmachenden Qualitäten anstatt mit Belastungen zu umgeben
  • die Möglichkeit nach persönlichem Rückzug und nach Privatheit

die sozialen und kommunikativen Wohnbedürfnisse

Wir Menschen sind soziale Wesen. Daher beziehen sich viele unserer Wohnbedürfnisse auf das Zusammenleben mit anderen Menschen. Wir haben also auch die Bedürfnisse nach

  • einem konfliktfreien und harmonischen Zusammenleben mit unserer Familie
  • der Möglichkeit soziale Kontakte im Wohnumfeld zu pflegen und aufrecht zu halten

die Entwicklungsbedürfnisse

Wir Menschen befinden uns in einem ständigen Veränderungsprozess. Doch Entwicklungen brauchen die richtige Umgebung. Unsere Wohnungen und Wohnsiedlungen sollten daher:

  • einen optimalen Entwicklungsraum für Kinder bereitstellen
  • die Möglichkeit bieten, aktiv und gesund älter zu werden
  • Selbstbestimmung und Persönlichkeitsentfaltung fördern

Wie Räume und Gebäude hinsichtlich dieser Wohnbedürfnisse auf uns wirken, können Sie in der Infobroschüre „8 Ebenen wie Räume und Gebäude auf den Menschen wirken“ nachlesen und downloaden.

Experten fehlt es an Wissen

So selbstverständlich die oben beschriebenen Wohnbedürfnisse sind, ist es doch nicht sicher, dass diese in Wohngebäuden umgesetzt werden. Hier einige Beispiele dafür:Viele Gestaltungsmerkmale des modernen Bauens verhindern Erholung und Regeneration in sehr drastischer Weise. Das Wissen darüber, was gesund macht und gesund hält, fehlt in der Bau- und Planungsbranche fast vollständig.Die meisten Wohnsiedlungen fördern Anonymität, Isolation und Entfremdung. Hier fehlt es an Wissen darüber, welche Raumanordnungen Kommunikation fördern ohne die Privatheit zu untergraben.Ebenso fehlt in der Bau- und Wohnungswirtschaft das Wissen darüber was Kinder für eine gesunde Entwicklung brauchen. Dabei geht es nicht nur um die Kinder selbst, sondern auch um Familien, also auch um die Eltern. Da sich die Welt der Kinder mit zunehmendem Alter immer mehr ausdehnt ist kindergerechtes Bauen nicht nur eine architektonische, sondern auch eine raumplanerische Aufgabe.Betrachtet man die aktuelle Situation des Wohnungsbaues, so kann man doch feststellen: „den Experten mangelt es an Wissen“. Wohnbau ist Bauen für Menschen und verlangt daher umfassendes psychologisches Wissen. Die Wohnpsychologie hat langsam begonnen diese Lücke zu schließen. Siehe „die psychologische Lücke in der Architekturausbildung“.

Die Aufgabe der Wohnpsychologie

Nachdem sich die Wohnpsychologie als einzige wissenschaftliche Disziplin einer Erforschung der Wohnbedürfnisse verschrieben hat, ist deren Einbindung in die Praxis des Bauens, Planens und Gestaltens unabdingbar. Die Wohnpsychologie ist das Bindeglied zwischen dem Menschen und seinen Gebäuden, indem sie die gegenseitigen Wirkungen verstehbar macht.Um dies zu erreichen, hat die Wohnpsychologie ein System entwickelt, mit dem es möglich wird die oben beschriebenen Fehlerquellen des Bauens, Planens und Gestaltens zu vermeiden.Nachdem die Experten des Bauens, Planens und Gestaltens nicht mit diesem System arbeiten, ist es die Hauptaufgabe der Wohnpsychologie, dieses System an die Experten weiter zu geben. Dies sollte in einer anwendungsfreundlichen Form passieren.Gleichzeitig sehe ich eine weitere Aufgabe der Wohnpsychologie darin, für Laien bzw. die Nutzer der Wohnungen und Häuser, Hilfe bereit zu stellen, wenn es um kleine und große Wohnentscheidungen geht. Mit diesem System kann die Wohnpsychologie dabei helfen,

  • die richtigen Entscheidungen zu treffen (Wohnungskauf, Hauskauf, Grundstückskauf usw.)
  • den Planungsprozess eines Hauses in die richtige Richtung zu lenken
  • sich in allen Gestaltungsfragen an den Wohnbedürfnissen zu orientieren

Der Lösungsansatz zur Erreichung von Wohnqualität

Um die Grundlage für Wohnqualität zu legen, und konkrete Wohnprojekte an den Bedürfnissen auszurichten, braucht es ein System der Wohnbedürfnisse, das die Komplexität erfassen kann und gleichzeitig hilft Entscheidungen zu vereinfachen. Dieses System sollte wissenschaftlich fundiert sein und gleichzeitig gut verstehbar bzw. einfach anzuwenden.Das Institut für Wohn- und Architekturpsychologie hat ein solches System entwickelt, das in vielen Situationen angewendet werden kann. Experten, also Planer/innen oder Projektentwickler/innen haben die Möglichkeit sich dieses System im Zuge eines Lehrganges anzueignen. Nähere Information dazu finden Sie hier