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In unserer Gemeinde, wo auch unsere Tochter zur Schule gegangen ist, soll eben diese Schule saniert werden. Einige engagierte Bürger/innen haben es geschafft, die Gemeinde davon zu überzeugen, dass vor der Planung eine Einbindung der Interessen aller relevanten Beteiligten (Bürger/innen, Lehrer/innen, Elternvertreter usw.) ist. Dieser Mitbestimmungsprozess hat das Ziel, die pädagogische Raumqualität zu verbessern. Gelingt dies, bin ich mir sicher, dass alle Kinder davon profitieren können.
Nachdem sich das Leben der Kinder, nach dem Schuleintritt zu einem Großteil eben in der Schule abspielt, werde ich hier nicht nur auf Wohnthemen eingehen, sondern auch auf die Lebenswelt Schule. Gerade hier gibt es zahlreiche räumliche Defizite zu verzeichnen.

Das Schulsystem birgt viele räumliche Schwachstellen

Unsere Tochter hat in der Volksschule sehr unter dem Lärm gelitten, der durch eine sehr lebhafte Klasse entstanden ist. Die Dynamik von zu viel Unruhe in Schulklassen kann durch verschiedene Maßnahmen entschärft werden. Die Bildung von kleineren Lerngruppen wirkt nicht nur dem Lärm entgegen, es entspricht auch den Bedürfnissen vieler Kinder. Neue und bessere Raumkonzepte ermöglichen ein offenes Lernen, wo die Kinder selbst den Ort des Lernens bestimmen können und auch die Gruppengröße.
Kleinere Gruppen bringen eine Beruhigung im Klassengefügt, weil sowohl Ängsten als Aggression damit entgegen gewirkt werden kann. Im Schulbau wird zu wenig auf das Entwicklungsstadium der Kinder Rücksicht genommen. Die meisten Kinder im Volksschulalter brauchen noch sehr viel Bemutterung, also Schutz und Geborgenheit. Dieser Schutz braucht die räumlichen Voraussetzungen, also Rückzugsnischen, räumliche Geborgenheit und eben auch kleinere Gruppen. Aus psychologischer Sicht, gibt es drei Hauptthemen, die ein Schulgebäude erfüllen soll, um den Kindern das Lernen zu vereinfachen. Diese sind:
• Regulation der emotionalen Befindlichkeit
• Unterstützung des Sozialverhaltens
• Unterstützung der Lernleistung
Der dritte Punkt entspricht der traditionellen Sicht. Hier wird Lernen als Leistung interpretiert, jedoch Person, der Mensch, der Lernen soll, reduziert auf diese Leistung. Sowohl die Psychologie als auch die moderne Gehirnforschung haben längst erkannt, dass dies kontraproduktiv ist. Nur hat diese Erkenntnis noch nicht, oder kaum, den Einzug in die Tätigkeit des Bauens, also speziell des Bauens für Kinder genommen. Wir wissen also bereits aus zahlreichen Forschungen, wie Lernen gut funktioniert nur die Umsetzung in die gebauten Lebenswelten lassen zu wünschen übrig. Was bedeuten also die oben aufgelisteten Punkte konkret?

Regulation der emotionalen Befindlichkeit

Kinder können erst dann gut Lernen, wenn sie sich in einem emotional ausgeglichenen Zustand befinden. Und, dies ist äußerst entscheidend, die Kinder sollen selbst in der Lage sein, diesen Zustand des Wohlbefindens herzustellen. Dies heißt, wenn ein Kind gerade ängstlich ist, soll es die Möglichkeit haben Geborgenheit und Sicherheit zu finden. Wenn ein Kind gerade „überdreht“, soll es die Möglichkeit haben sich zu beruhigen. Je mehr die Kinder diese emotionalen Zustände selbst erkennen und dann regulieren können, umso mehr wird sich die Persönlichkeit der Kinder stabilisieren. Natürlich brauchen Kinder auch sehr oft Anweisungen um dies zu lernen. Die Lehrperson sollte diese emotionalen Zustände der Kinder erkennen und entsprechend darauf reagieren können. Dies erscheint mir unmöglich, wenn gerade eine ganze Klasse unruhig bis sehr laut ist. Der Raum des Lernens ist also nicht nur der dritte Pädagoge, wie es so schön heißt, sondern er ist auch Assistent der Lehrenden.
Konkret brauchen Lernräume also verschiedene Möglichkeiten auf die emotionalen Zustände von Kindern reagieren zu können, also neben dem Klassenraum auch Rückzugsmöglichkeiten und Nischen für Kleingruppen. Die Gestaltung dieser Räume und Nischen soll natürlich dann auch den Funktionen entsprechen, also soll eine Rückzugsnische auch Geborgenheit ausstrahlen.
Um der Bedeutung dieser Zusammenhänge noch mehr Gewicht zu geben, möchte ich noch kurz ausrühren, was in der Entwicklung der Kinder passiert, wenn diese „Regulation der emotionalen Befindlichkeit“ nicht möglich ist. Kinder lernen dann, dass sie nicht in der Lage sind ihren emotionalen Bedürfnissen entsprechend zu handeln. Sie sind dann nicht in der Lage, das zu tun, was dazu führt, dass es ihnen besser geht. Sie sind diesen emotionalen Befindlichkeiten also hilflos ausgeliefert. Dies führt in Folge zur „erlernten Hilflosigkeit“, die sich in Extremfällen zu einer Depression weiter entwickeln kann.
Zusammen gefasst bedeutet dies: Wir sollten unseren Kindern die Möglichkeit geben, unterschiedliche Raumsituationen aufzusuchen, und damit auf ihre emotionalen Bedürfnisse zu reagieren. Gleichzeitig geben wir damit auch den Lehrenden die Möglichkeit den Unterricht auf die Bedürfnisse der Kinder abzustimmen.

Unterstützung des Sozialverhaltens

Sind oben beschriebene Zusammenhänge erfüllt, haben die Kinder auch die Möglichkeit ein vielfältiges Sozialverhalten zu entwickeln. Erst wenn sich die Kinder emotional wohl fühlen, werden sie auch Gruppen bilden, für Freundschaften offen sein und sich einbringen, bzw. am Unterricht beteiligen. Um dies zu unterstützen brauchen Lernwelten wieder die dazu notwendigen räumlichen Voraussetzungen, also die Möglichkeit von der Großgruppe zu kleinen (Arbeits-) gruppen zu wechseln. Ich brauche wahrscheinlich nicht weiter auszuführen, dass dies gute Voraussetzungen sind, um in einem Berufsleben bestehen zu können, das sehr viel soziale Flexibilität verlangt.

Unterstützung der Lernleistung

Mit den ersten beiden Punkten wird die Grundlage dafür gelegt, dass Kinder auch eine entsprechende Lernleistung bringen können. Es gibt natürlich noch eine Reihe von Einflussfaktoren, die direkt das Lernen erleichtern, also ergonomische Aspekte, Licht, Vermeidung von Reizüberflutung usw. diese sind dann vor allem in der Detailplanung bzw. in der Ausstattung zu bedenken.
Ein häufig übersehener Aspekt ist die Bedeutung der Natur und natürlichen Gestaltung für die Leistungsfähigkeit. Natur bringt nicht nur Erholung sondern verbessert unsere Leistungsfähigkeit und auch unser Sozialverhalten. Also ist Einbindung der Natur sowohl innen als auch außen ein wesentlicher Punkt für die Planung kindgerechter Lebenswelten.

Lärm als ein Hauptthema

Lärm ist im Schulalltag sicherlich ein Hauptthema, das durch die Berücksichtigung obiger Punkte bereits entschärft wird. Neben der Lärmdämpfung durch möchte ich hier noch auf die sogenannte „Lärmampel“ hinweisen. Dies ist eine Ampel, wie unsere Verkehrsampeln, die mittels Sensor auf die Lautstärke reagiert. Wird es zu laut, so springt die Ampel zunächst auf Orange und dann auf Rot. Damit bekommen die Kinder ein Feedback zu Ihrem Verhalten und lernen so besser dieses zu regulieren.

Hausübung machen oder Lernen Zuhause

Lassen Sie mich abschließend noch darauf eingehen, was Kinder zum Lernen Zuhause brauchen. Dies richtet sich sehr stark nach dem Entwicklungsalter der Kinder. Im Volksschulalter werden die meisten Kinder dazu tendieren am Esstisch die Hausübungen zu machen, weil sie die Anwesenheit und Unterstützung eines Elternteiles brauchen. Irgendwann im Alter von 9-12 Jahren werden die Kinder dann mit den Hausübungen in das eigene Kinderzimmer wandern. Wichtig für Eltern ist es darauf zu achten, welche Bedürfnisse die Kinder diesbezüglich äußern. Hier sollte nichts erzwungen werden, weil man dadurch die Lernmotivation entscheidend beeinträchtigen würde.
Es ist also wichtig, dass es am Familientisch einen Platz gibt, der konzentriertes Arbeiten erleichtert. Dies spricht für Eckbänke, wo die Kinder auch eine Wand im Rücken haben, wo die Ablenkung gering ist, und optimal auch ein Blick in die Natur gegeben ist. Dies ist für mich auch ein Grund, weshalb ich Esszimmer mit einem Tisch in der Mitte und Sesseln drum herum nicht optimal für Familien empfinde.
Wenn Ihr Kind nicht am Familientisch „arbeiten“ kann, so würde ich Ihnen empfehlen, sich vom Beitragsbild inspirieren zu lassen. Dies ist ein nahezu optimaler Platz für das Hausübung machen, allerdings hier für Linkshänder, weil das Licht von rechts kommt. Sehr schön finde ich dabei den Ausblick in die Natur, die natürliche Gestaltung und die schützende Anordnung (Ecke), die Konzentration ermöglicht.
Wenn Sie eigene Erfahrung mit Ihren Kindern mitteilen wollen, oder konkrete Empfehlungen für andere Eltern haben, so ist dies sehr bereichernd für diesen Artikel. Ich bitte Sie also um zahlreiche Kommentare.