Was sind wohnpsychologische „Bauschäden“?
Eine kleine Auswahl, denn wir sehen es als eine zentrale Aufgabe der WAP an, kleinere und größere humane und soziale Fehlplanungen vorherzusagen respektive zu verhindern. Dazu zählen räumliche Situationen bzw. Settings, die mit unvorteilhaften Konsequenzen für die Bewohnenden und/oder für die Investoren, die Verantwortlichen, die Hausverwaltung einhergehen.
Die unten gezeigten Bilder haben in ihrer Unterschiedlichkeit etwas gemeinsam: Sie repräsentieren Settings, die in der Planung harmlos aussehen, bisweilen gar in der Vorstellung oder in Schaubildern mit schönen Impressionen bedacht werden, sich in der Realität jedoch anders entwickeln. Deren Unansehnlichkeit bildet noch das geringste Problem, denn sie allesamt ziehen in der Regel noch weitere Konsequenzen nach sich – hinsichtlich Sicherheitsempfinden, hinsichtlich der subjektiv wahrgenommenen Lebensqualität, hinsichtich des Zusammenlebens der Menschen, des sozialen Gefüges. Die Auswirkungen sind je nach Situation unterschiedlich. Nicht immer können alle Problemfaktoren verhindert werden, aber die gezeigten Beispiele stellen durchwegs vermeidbare wohnpsychologische Mängel dar. Mittels einer Analyse können diese Schwachstellen bereits bei Planungen erkannt und damit auch korrigiert werden.
Reaktanzverhalten
Reaktanzverhalten kann sich bei ungünstigen Raumgegebenheiten in unterschiedlicher Form zeigen, sei es als Selbstverbarrikadierung, Abschottungstendenz oder in einem Vermeidungsverhalten – die betroffenen Räume/Flächen werden als Aufenthaltsbereiche gemieden. Obendrein reduziert es (immer!) die Kontaktbereitschaft der Betroffenen.
Hinter jedem Reaktanzverhalten steht eine bestimmte Logik. Die Ursachen sind seltener in persönlichen Eigenheiten denn in den Eigenschaften der räumlichen Settings zu finden. Die Fotos zeigen
nahezu klassische Beispiele für wohnpsychologische Fehlplanungen.
Leerstand
Natürlich nicht alle, aber einige Leerstände sind psychologisch begründbar. Meist lassen sich dann auch Gegenmaßnahmen definieren, um Attraktivität, Akzeptanz und die positive Wirkung auf Menschen zu erhöhen.
Da für Leerstände auch viele andere Ursachen verantwortlich sein können (zu hoher Preis, zu geringe Nachfrage, mangelhafte Bausubstanz etc.), lassen sich Leerstände zwar nicht immer exakt prognostizieren, eine Leerstandsgefahr allerdings schon.
Angsträume
Angsträume entstehen nicht von selbst, sondern sie sind nahezu zu 100% (unbewusst) geplanter Natur.
Die Konsequenzen gehen über ein mulmiges Gefühl hinaus und beeinträchtigen nicht nur das subjektive Sicherheitsempfinden, sondern hemmen das Interaktionsverhalten, erhöhen das Bedürfnis nach interpersoneller Distanz und beeinträchtigen somit insgesamt die Nachbarschaft und anderes mehr
Fazit
Für sogenannte „Incivilities“ wie Vandalismus, Verschmutzungen oder Kriminalität braucht es immer zwei Voraussetzungen: erstens räumliche Schwächen und zweitens Personen, die diese Schwächen ausnutzen. Ersteres ist bereits bei Planungen analysierbar und damit auch veränderbar.
Die Basis bildet stets die gewissenhafte Analyse des (geplanten) Projektes. Damit werden Reaktanzverhalten, Leerstandsgefahr, Anfälligkeit für Incivilities wie auch potenzielle Angsträume definierbar. Aus dem Erkennen der psycho-logischen Zusammenhänge lassen sich meist auch Lösungsansätze bzw. hilfreiche Maßnahmen ableiten. Psychologische Bauschäden werden mit dem entsprechenden Know-how weitgehend vermeidbar.